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17 min Lesezeit

5 Schritte zur Entwicklung von SBTi-Zielen

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Science Based Targets initiative (SBTi) hilft Unternehmen, ihre Klimaziele wissenschaftlich zu planen und umzusetzen. Die SBTi fungiert als globales Rahmenwerk und international anerkannter Standard für wissenschaftlich fundierte Ziele und Emissionsreduktionsziele, die Unternehmen dabei unterstützen, ihre Emissionen im Einklang mit dem Pariser Abkommen zu reduzieren. Dieser Leitfaden gibt einen Überblick über die Rolle der Science Based Target Initiative (SBTi) als Organisation, die durch Zusammenarbeit mit renommierten Organisationen wie dem United Nations Global Compact, WWF und dem World Resources Institute (WRI) das Rahmenwerk für die Entwicklung und Validierung von wissenschaftsbasierten Zielen bereitstellt. Die SBTi basiert auf den Erkenntnissen der Klimawissenschaft, um Unternehmen zu ermöglichen, ihre Emissionsreduktionsziele so zu setzen, dass der globale Temperaturanstieg auf 1,5°C über dem vorindustriellen Niveau begrenzt wird. Unternehmen tragen die Verantwortung für die Emissionsreduzierung und die Zielerreichung im Rahmen der SBT-Initiative und verpflichten sich, ihren CO2-Fußabdruck im Sinne nachhaltiger Unternehmensziele zu verringern. Die Berücksichtigung der verschiedenen Scopes (Scope 1, 2 und 3) ist für die Zielsetzung und die Einhaltung des SBTi-Rahmenwerks essenziell. Dieser Leitfaden zeigt, wie du den SBTi-Prozess erfolgreich umsetzt, von der Anmeldung bis zur transparenten Berichterstattung. Das zahlt sich aus: für Klima, Compliance und Wettbewerbsfähigkeit.

In 5 klaren Schritten können deutsche Unternehmen ihre Emissionen senken, Kosten sparen und gesetzliche Vorgaben erfüllen. Zu Beginn reichen Unternehmen einen sogenannten Commitment Letter ein, mit dem sie ihre Absicht bekunden, wissenschaftlich fundierte Klimaziele zu entwickeln. Dieses Commitment markiert den offiziellen Startpunkt des SBTi-Prozesses und schafft Verbindlichkeit für die folgenden Schritte:

  1. Anmeldung und Planung: Projektumfang festlegen und Zeitplan erstellen.
  2. Emissionsmessung: CO₂-Fußabdruck erfassen und analysieren.
  3. Zielberechnung: Reduktionsziele mit wissenschaftlichen Methoden entwickeln.
  4. Einreichung: Ziele bei der SBTi zur Überprüfung einreichen.
  5. Überwachung und Berichterstattung: Fortschritte kontrollieren und transparent kommunizieren.

Diese Methode unterstützt Unternehmen dabei, sich am 1,5 °C-Ziel zu orientieren und die Anforderungen des EU-Green-Deals sowie der deutschen Klimagesetze zu erfüllen. Die Integration in die Unternehmensstrategie und die Berücksichtigung von Berichtsstandards wie ESRS sind entscheidend für den Erfolg.

Grundlagen des SBTi-Frameworks

Fokus dieses Artikels: Wie du in fünf strukturierten Schritten zu SBTi-validierten Klimazielen kommst, von der Anmeldung über die Emissionsmessung bis zur Validierung. Für den Gesamtüberblick zu SBTi-Standard, Kosten und Berichtsintegration siehe meinen SBTi-Komplettleitfaden 2026.

Ausrichtung auf das 1,5 °C-Ziel

Das SBTi-Framework hilft Unternehmen, ihre Emissionen wissenschaftlich fundiert zu reduzieren und sich am 1,5 °C-Pfad zu orientieren. Ziel ist es, den globalen Temperaturanstieg gemäß dem Pariser Abkommen auf 1,5°C über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen, um katastrophale Klimafolgen zu vermeiden. Es definiert klare Vorgaben zur Verringerung von Treibhausgasemissionen und begleitet die Umsetzung von Maßnahmen. Diese Methodik spielt eine zentrale Rolle bei Schritt 3 (Zielberechnung).

Green-Bond-Volumen, Benchmarks aus der Berichtspraxis und EU-ETS-Preise pflege ich laufend im Fiegenbaum Atlas, im Dashboard zum ESG-Kapitalmarkt.

Zeitliche Zielsetzungen

Es gibt zwei Hauptkategorien für Ziele: Kurzfristige Ziele, die auf schnelle und messbare Reduktionen abzielen, und langfristige Ziele, die den Weg zur Netto-Null vorgeben. Diese langfristigen Ziele werden häufig als Net Zero Ziel bezeichnet, das ein wissenschaftlich fundiertes Ziel ist, um die Treibhausgas-Emissionen in Scope 1, 2 und 3 bis 2050 auf null zu reduzieren und verbleibende Emissionen zu neutralisieren. Beide Kategorien werden im Rahmen von Schritt 3 (Zielberechnung) berücksichtigt.

Vorgaben in Deutschland und der EU

Neben den globalen Anforderungen des 1,5 °C-Pfads gelten für deutsche Unternehmen spezifische EU- und nationale Standards:

  • EU-Vorgaben: Berichtspflichtige Unternehmen in Deutschland richten ihre SBTi-Ziele an den Anforderungen der ESRS aus. Im Rahmen dieser gesetzlichen Anforderungen gewinnen Emissionsreduktionsziele und die konsequente Emissionsreduzierung zunehmend an Bedeutung, da sie zentrale Bestandteile der Berichterstattung und Zielsetzung im Klimaschutz darstellen.
  • Nationale Gesetzgebung: Die deutschen Klimagesetze setzen sektorübergreifende Emissionsziele fest, die ebenfalls berücksichtigt werden müssen.

Warum SBTi-Ziele gerade jetzt für deutsche Unternehmen entscheidend sind

  • Rechtslage: Die europäischen Berichtsstandards (ESRS) machen die Offenlegung von Emissionszielen für berichtspflichtige Unternehmen verbindlich.
  • Regulatorischer Rückenwind: Die EU-Taxonomie belohnt Unternehmen mit glaubwürdigen Dekarbonisierungspfaden.
  • Finanzielle Anreize: Banken und Investoren bevorzugen klimakompatible Unternehmen, wissenschaftsbasierte Ziele stärken die ESG-Bewertung.
  • Wettbewerbsvorteil: Frühzeitig validierte SBTi-Ziele erhöhen die Glaubwürdigkeit in Ausschreibungen, Förderprogrammen und Kundengesprächen. Die Integration von Klimazielen in die Unternehmensziele ist dabei ein entscheidender Erfolgsfaktor, um langfristig Wettbewerbsvorteile zu sichern.

Die Rolle von Scope 3 Emissionen

Scope 3 Emissionen nehmen eine zentrale Rolle bei der Entwicklung und Umsetzung von wissenschaftlich fundierten Zielen (Science Based Targets, SBTs) ein. Sie umfassen sämtliche indirekten Treibhausgasemissionen, die entlang der gesamten Wertschöpfungskette eines Unternehmens entstehen, von der Rohstoffbeschaffung über die Produktion bis hin zur Nutzung und Entsorgung der Produkte. Dazu zählen beispielsweise Emissionen von Lieferanten, die Nutzung der Produkte durch Kunden sowie Geschäftsreisen und Logistik.

Wie weit die Praxis davon entfernt ist, zeigt die Auswertung von 1.401 öffentlichen Berichten der Jahrgänge 2024 und 2025 europäischer Konzerne: 69 Prozent der Berichte enthalten alle drei Scopes vollständig. 13 Prozent liefern trotz formal eingereichtem Bericht keine extrahierbaren Scope-Daten. Und 8 Prozent der Berichte mit Scope-3-Angabe weisen einen Scope-3-Wert kleiner als Scope 1 oder 2 aus, methodisch ein Alarmsignal, denn Scope 3 ist in den meisten Branchen fünf- bis zehnmal größer.

Die Science Based Targets Initiative (SBTi) fordert Unternehmen explizit dazu auf, Scope 3 Emissionen in ihre Zielsetzung einzubeziehen, sobald diese mehr als 40 % der gesamten Treibhausgasemissionen eines Unternehmens ausmachen. Dieser Ansatz ist entscheidend, um die tatsächliche Klimawirkung eines Unternehmens umfassend zu erfassen und gezielte Maßnahmen zur Reduzierung der Scope 3 Emissionen zu entwickeln. Nur so kann die Begrenzung der globalen Erwärmung auf 1,5 °C im Sinne der science based targets initiative und des Pariser Klimaabkommens gelingen.

Die Vorteile von Net Zero Standard

Der Net Zero Standard der Science Based Targets Initiative (SBTi) bietet Unternehmen einen klaren, wissenschaftlich fundierten Rahmen, um ihre Treibhausgasemissionen konsequent auf Netto-Null zu reduzieren. Er beschreibt, wie Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette von Scope 1 bis Scope 3 gesenkt werden und welche Restemissionen am Ende überhaupt neutralisiert werden dürfen. Damit trennt er belastbare Netto-Null-Aussagen von reinen Absichtserklärungen.

Carbon Offsetting ist in den meisten Fällen Selbsttäuschung. Die SBTi Mitigation Hierarchy stellt Reduktion und Insetting in der Wertschöpfungskette aus gutem Grund vor Offsets: In über 90 Prozent der Unternehmens-Anwendungsfälle sind Offsets billiger als Handeln, aber sie adressieren das eigentliche Geschäftsrisiko nicht. Eine Net-Zero-Strategie, die auf Offsets basiert, hat das CO2-Problem nicht gelöst, sondern aufgeschoben.

In 5 Schritten zu validierten SBTi-Zielen

Schritt 1: Anmeldung und Planung

Unternehmen sollten zunächst:

  • Klimaziele festlegen und konkrete Maßnahmen zur Reduzierung von CO₂-Emissionen planen.
  • Klimarisiken analysieren, sowohl regulatorische als auch physische, die das Geschäftsmodell beeinflussen könnten.

Dieser Plan dient als Grundlage für die Emissionsanalyse im nächsten Schritt.

Schritt 2: Emissionen messen

Eine genaue Erfassung der Treibhausgasemissionen ist entscheidend. Besonders wichtig ist es, finanzierte Emissionen („financed emissions“) zu verstehen, zu quantifizieren und transparent zu berichten. Für die Festlegung wirksamer Klimaziele ist die präzise Messung der CO2-Emissionen unerlässlich, da nur so gezielte Reduktionsmaßnahmen entwickelt werden können. Dabei ist zu beachten, dass SBTi-Ziele mindestens Scope 1 (direkte Emissionen) und Scope 2 (indirekte Emissionen aus Energiebezug) umfassen müssen. Wenn Scope-3-Emissionen mehr als 40 % des Unternehmensfußabdrucks ausmachen, sind auch diese in die Zielsetzung einzubeziehen, um eine umfassende Reduktionsstrategie zu gewährleisten.

Die gesammelten Daten bilden die Basis für die Zielberechnung im darauffolgenden Schritt.

Schritt 3: Ziele berechnen

Mit den Marginal-Abatement-Cost-Kurven des SBTi-Rechners können Unternehmen die kosteneffizientesten Maßnahmen zur Emissionsreduktion identifizieren und in ihre Zielplanung einfließen lassen. Die Zielberechnung erfolgt dabei wissenschaftsbasiert, um sicherzustellen, dass die festgelegten Maßnahmen und Ziele den aktuellen Erkenntnissen der Klimawissenschaften und internationalen Vereinbarungen wie dem Pariser Klimaabkommen entsprechen. Dabei kommen verschiedene wissenschaftliche Methoden zum Einsatz, wie die Absolute Emissions Reduction oder der Sectoral Decarbonization Approach (SDA), die branchenspezifische Reduktionspfade berücksichtigen und so eine realistische Zielsetzung ermöglichen.

Wichtig ist, dass externe Kompensationsmaßnahmen außerhalb der eigenen Wertschöpfungskette (Beyond Value Chain Mitigation, BVCM) von der SBTi nicht als direkte Reduktionsmaßnahmen anerkannt werden. Sie können ergänzend eingesetzt werden, ersetzen jedoch nicht die Verpflichtung zur tatsächlichen Emissionsminderung im eigenen Geschäftsbereich und der Lieferkette.

Schritt 4: Ziele einreichen

Eingereicht wird über das Zielformular der Initiative. Bevor du absendest, sollten diese Unterlagen vollständig vorliegen:

  • Treibhausgasinventar des Basisjahres, aufgeschlüsselt nach Scope 1, 2 und 3
  • Begründung der Basisjahrwahl und der gewählten Systemgrenzen
  • Zieldefinition mit Zieljahr, Bezugsgröße und Methode (Absolute Contraction oder Sectoral Decarbonization Approach)
  • Dokumentation der Scope-3-Wesentlichkeitsprüfung, inklusive der ausgeschlossenen Kategorien mit Begründung
  • Eine benannte Ansprechperson, die Rückfragen der Initiative kurzfristig beantworten kann

Plane mindestens eine Rückfrage-Schleife ein. In den Projekten, die ich begleitet habe, kam die erste Rückmeldung fast immer mit Nachfragen zur Scope-3-Abgrenzung, nicht zur Rechnung selbst.

Schritt 5: Umsetzen und berichten

Mit der Validierung beginnt die eigentliche Arbeit. Das Ziel wird auf Maßnahmen, Budgets und Verantwortliche heruntergebrochen, der Fortschritt jährlich veröffentlicht. Wer ohnehin nach ESRS berichtet, sollte Zielwert, Basisjahr und Zieljahr direkt aus der Einreichung in die Zielangaben des Nachhaltigkeitsberichts übernehmen, statt zwei Zahlenwerke nebeneinander zu pflegen.

Einen kompakten Überblick über Grundlagen und erste Schritte gibt dieses Webinar:

SBTi-Validierungskriterien: Was die Initiative bei deiner Einreichung prüft

Bevor du deine Ziele offiziell einreichst, lohnt es sich, die Validierungskriterien der Science Based Targets initiative genau zu verstehen. Die Initiative prüft nicht nur, ob deine Reduktionsziele rechnerisch mit dem 1,5-°C-Pfad übereinstimmen, sondern auch, ob die zugrunde liegende Emissionsbasis vollständig und methodisch korrekt ermittelt wurde. Dazu gehört insbesondere eine transparente Abdeckung aller relevanten Scope-1-, Scope-2- und, je nach Branche, Scope-3-Kategorien.

Ein zentrales Prüfkriterium ist die sogenannte Basisjahrwahl: Du musst ein repräsentatives Basisjahr nachweisen und begründen können, warum dieses Jahr als Ausgangspunkt geeignet ist. Außerdem überprüft das SBTi-Team, ob die verwendeten Berechnungsmethoden anerkannten Standards wie dem GHG Protocol entsprechen. Für Unternehmen, die den Near-Term- und Long-Term-Standard kombinieren, gelten zusätzliche Anforderungen an die Konsistenz beider Zielebenen.

Plane ausreichend Zeit für die interne Qualitätssicherung ein, bevor du die Unterlagen einreichst. Erfahrungsgemäß dauert der Validierungsprozess durch das SBTi mehrere Monate, eine vollständige und gut dokumentierte Einreichung verkürzt diesen Zeitraum erheblich und reduziert das Risiko von Rückfragen oder einer Ablehnung.

Häufige Fehler bei der SBTi-Einreichung und wie du sie vermeidest

Viele Unternehmen unterschätzen den Detailgrad, den eine erfolgreiche SBTi-Einreichung erfordert. Einer der häufigsten Fehler ist eine unvollständige Erfassung der Scope-3-Emissionen: Wer relevante Kategorien ohne nachvollziehbare Begründung ausschließt, riskiert eine Ablehnung durch die Validierungsstelle. Prüfe daher frühzeitig, welche Scope-3-Kategorien für dein Geschäftsmodell wesentlich sind, und dokumentiere deine Entscheidungen sorgfältig.

Ein weiterer typischer Stolperstein ist die inkonsistente Datenqualität: Wenn Emissionswerte aus unterschiedlichen Quellen stammen und nicht harmonisiert wurden, entstehen Lücken, die im Validierungsprozess auffallen. Achte darauf, dass alle Daten auf ein einheitliches Bezugsjahr normiert sind und dass Schätzwerte klar als solche gekennzeichnet werden.

Schließlich scheitern einige Einreichungen daran, dass die gesetzten Ziele zwar ambitioniert klingen, aber nicht sauber an eine anerkannte Reduktionsmethode, etwa den Absolute Contraction Approach oder den Sectoral Decarbonization Approach, geknüpft sind. Nutze die offiziellen SBTi-Tools und Guidance-Dokumente, die regelmäßig aktualisiert werden, und halte dich über Änderungen der Kriterien auf dem Laufenden, um aufwendige Nachbesserungen zu vermeiden.

Corporate Net-Zero Standard V2.0: was sich für Ziele ab 2027 ändert

Der Corporate Net-Zero Standard ist das Regelwerk, an dem sich langfristige Ziele messen lassen. Am 11. Juni 2026 hat die Initiative Version 2.0 veröffentlicht. Sie gilt ab dem 31. Januar 2027 mit einer Übergangsfrist: Validierungen gegen V2.0 sind ab dem ersten Quartal 2027 möglich, Einreichungen gegen die Near-Term Criteria V5.3 und den Net-Zero Standard V1.3.1 bleiben bis zum 31. Januar 2028 zulässig. Bereits validierte Ziele bleiben gültig, der Wechsel kommt mit dem Zieljahr oder der fünfjährigen Überprüfung, je nachdem, was zuerst eintritt. Den verbindlichen Versionsstand findest du bei der Science Based Targets initiative selbst. Prüfe vor dem Einreichen, gegen welche Fassung du rechnest, denn ein Ziel gegen eine abgelöste Fassung fällt in der Validierung auf.

Mehr zu diesem Punkt: SBTi-Zertifizierung meistern: Praxisleitfaden für Ablauf, Stolperfallen und Vorbereitung auf die Prüfung.

Wichtiger als die Versionsnummer ist die Abgrenzung, die viele Unternehmen durcheinanderbringen: Ein Nahzeitziel ist ein Science-Based Target, aber noch kein Netto-Null-Ziel. Beides sind unterschiedliche Zielebenen mit unterschiedlichen Anforderungen.

Kriterium Nahzeitziel (Near-Term) Netto-Null-Ziel (Long-Term)
Zeithorizont 5 bis 10 Jahre ab Einreichung spätestens 2050
Reduktionstiefe Reduktion entlang eines linearen 1,5-Grad-Pfads Reduktion um mindestens 90 Prozent, bevor überhaupt neutralisiert wird
Scope-Abdeckung Scope 1 und 2 verpflichtend, Scope 3 ab einem Anteil von 40 Prozent am Fußabdruck (Fassung 1.3.1, bis Januar 2028 einreichbar; V2.0: jede Scope-3-Kategorie ab 5 Prozent) alle drei Scopes, Scope 3 ohne Ausnahme
Nachweis jährliche Fortschrittsberichterstattung gegen das Basisjahr dauerhafte Entnahme der Restemissionen, Kompensation zählt nicht als Ersatz

Version 2.0 ändert vor allem vier Dinge. Statt der bisherigen KMU-Sonderroute gibt es eine formale Einteilung in Kategorie A und B nach Umsatz, Emissionen, Mitarbeitenden und Region, mit abgestuften Pflichten. Scope 1 und Scope 2 bekommen getrennte Ziele statt eines kombinierten. Bei Scope 3 ersetzt ein Wesentlichkeitsansatz die festen Abdeckungsquoten: Jede Kategorie mit mindestens 5 Prozent der Scope-3-Emissionen (Kategorien 1 bis 14) muss abgedeckt sein, Ausschlüsse in einzelnen Kategorien sind zu begründen, und Lieferanten- und Kundenziele werden zu Ausrichtungspfaden, die den Anteil der Partner mit eigenen wissenschaftsbasierten Zielen messen. Dazu kommt die Ongoing Emissions Responsibility, ein freiwilliger Rahmen für Klimabeiträge außerhalb der eigenen Wertschöpfungskette, für Kategorie A ab 2035 mit verpflichtender Entnahme. Wer heute ein Nahzeitziel einreicht, sollte die Scope-3-Datenerhebung so aufsetzen, dass sie lieferantenscharf funktioniert. Daran hängt die Anschlussfähigkeit an die neue Fassung, und das ist der Teil, der am längsten dauert.

Tipps für deutsche Unternehmen

Nach der Festlegung der Ziele helfen diese praktischen Hinweise bei der Umsetzung:

Das Omnibus-Paket ist kein Bürokratieabbau, es ist Datenlöschung auf Raten. Wer die Berichtsschwelle auf 1.000 Mitarbeitende anhebt und gleichzeitig behauptet, der Klimaschutz werde nicht geschwächt, rechnet nicht nach. Klima- und Biodiversitätsdatenpunkte, die nie erhoben werden, tauchen nicht in Finanzrisiko-Modellen auf. Die Lücke zahlen später Kreditgeber und Investoren, nicht die Lobbyisten, die sie durchgesetzt haben.

Ziele in die Unternehmensstrategie einbinden

Setz deine SBTi-Ziele in den Kontext deiner Unternehmensstrategie. Die konsequente Ausrichtung auf die Zielerreichung ist dabei entscheidend, um die Integration der SBTi-Ziele wirksam und messbar zu gestalten. Dazu gehört die Entwicklung klarer Pläne für Netto-Null-Emissionen, die Einbindung der SBTi-Ziele in bestehende ESG-Rahmenwerke und die Nutzung von Lebenszyklusanalysen, um deine Produkte zu verbessern.

Anforderungen des deutschen Marktes berücksichtigen

Berücksichtige die Vorgaben der ESRS-Berichterstattung und beziehe die EU-Taxonomie in deine Bewertung von Klimarisiken ein. In ESRS E1-4 werden Klimaziele mit Basisjahr, Zielwert und Zieljahr abgefragt, also genau mit den Angaben, die in einer SBTi-Einreichung ohnehin entstehen. Wer beides getrennt aufsetzt, pflegt zwei Zahlenwerke und erklärt später deren Abweichungen.

Unterstützung durch Experten

Ich unterstütze bei Lebenszyklusanalysen, bei der Entwicklung umsetzbarer Netto-Null-Strategien, bei der Integration von SBTi-Zielen in deine Geschäftsprozesse und bei Berichten, die den europäischen Anforderungen entsprechen.

Fazit: Der Weg zur Klimafitness beginnt jetzt

Wer heute SBTi-Ziele entwickelt, legt den Grundstein für langfristige Resilienz und nachhaltiges Wachstum. Die Emissionsreduzierung ist dabei ein zentraler Faktor, um Unternehmen klimafit zu machen und nachhaltiges Wachstum zu sichern. Unternehmen, die früh handeln, senken nicht nur Emissionen, sondern erhöhen ihre regulatorische Sicherheit und Marktattraktivität.

Drei zentrale Maßnahmen für den Einstieg

Die beschriebenen Schritte führen zu diesen drei wichtigen Aktivitäten:

  1. Entwicklung einer Netto-Null-Strategie: Klare Ziele und eine langfristige Ausrichtung schaffen.
  2. Planung kosteneffizienter Klimaschutzmaßnahmen: Maßnahmen umsetzen, die sowohl wirtschaftlich als auch ökologisch sinnvoll sind.
  3. Anpassung des Geschäftsmodells: Klimaschutz und Ressourcenschonung als feste Bestandteile des Unternehmens etablieren.

FAQ

Was ist SBTi?

Die Science Based Targets initiative (SBTi) ist eine weltweite Initiative, die von UN Global Compact, CDP und anderen Partnern ins Leben gerufen wurde. Sie bietet Unternehmen wissenschaftlich fundierte Vorgaben zur Reduktion von CO₂-Emissionen.

Was ist der Unterschied zwischen Science-Based Targets und dem Net-Zero Standard?

Science-Based Targets ist der Oberbegriff für jedes Ziel, das an einem wissenschaftlichen Reduktionspfad hängt. Der Corporate Net-Zero Standard ist das Regelwerk, das festlegt, wann ein Unternehmen Netto-Null überhaupt beanspruchen darf. Ein validiertes Nahzeitziel ist damit ein Science-Based Target, aber noch kein Netto-Null-Ziel.

Kann man SBTi-Ziele mit CO2-Zertifikaten erreichen?

Nein. Zertifikate aus Projekten außerhalb der eigenen Wertschöpfungskette werden nicht auf die Reduktionsziele angerechnet. Erst die Restemissionen, die nach Erreichen der geforderten Reduktionstiefe übrig bleiben, dürfen neutralisiert werden, und zwar über dauerhafte Entnahme statt über Vermeidungszertifikate.

SBTi oder CDP, was ist der Unterschied?

Die SBTi validiert Klimaziele, CDP ist eine Offenlegungsplattform, über die Unternehmen ihre Klimadaten an Investoren und Kunden berichten. Der CDP-Fragebogen fragt den SBTi-Status ab, ersetzt die Validierung aber nicht. Umgekehrt ersetzt ein validiertes Ziel keine Offenlegung.

Was kostet die Validierung durch die SBTi?

Die Initiative erhebt eine Gebühr je Einreichung, gestaffelt nach Unternehmensgröße, für kleine und mittlere Unternehmen gilt ein reduzierter Satz. Die jeweils gültige Gebührenliste steht auf sciencebasedtargets.org. Der größere Posten ist ohnehin nicht die Gebühr, sondern der interne Aufwand für Datenerhebung und Qualitätssicherung.

Wie lange dauert die Entwicklung von SBTi-Zielen?

Die Dauer des gesamten Prozesses von der ersten Datenerhebung bis zur finalen Einreichung der Ziele variiert je nach Unternehmensgröße und Komplexität, typischerweise zwischen 4 und 12 Monaten. Kleinere Unternehmen können mit einem kürzeren Zeitraum rechnen, komplexere Konzerne benötigen mehr Zeit.

Gibt es spezielle Optionen für kleine Unternehmen?

Ja, kleine und mittlere Unternehmen (KMU) können vereinfachte Branchenbenchmarks zur Emissionsmessung nutzen. Außerdem können sie externe Unterstützung für die Schritte 2 und 3 in Anspruch nehmen. Für KMU biete ich einen abgespeckten Zuschnitt an, der die Zielsetzung ohne Konzernapparat handhabbar macht.

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Johannes Fiegenbaum

Johannes Fiegenbaum

ESG- und Nachhaltigkeitsberater mit Schwerpunkt auf VSME‑Berichterstattung und Klimarisikoanalysen. Begleitet seit 2014 über 300 Projekte für den Mittelstand sowie für Großbanken und Versicherungskonzerne.

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