Von Johannes Fiegenbaum am 15.05.25, 05:14 · Zuletzt aktualisiert 5. September 2026
Der VSME-Standard für die freiwillige Nachhaltigkeitsberichterstattung von KMU besteht aus zwei Modulen: dem Basismodul mit den Angaben B1 bis B11 (englisch Basic) und dem Zusatzmodul mit C1 bis C9 (Comprehensive). Die Frage ist selten, was in den Modulen steht, sondern welches davon zu deinem Datenstand und zu dem passt, was Kunden und Banken tatsächlich abfragen. Dieser Text beantwortet sie mit Angabe-Kennungen, Budgets und Zeiträumen.
Das Basismodul umfasst den größten Teil der Datenpunkte, verteilt auf elf Angaben. Das Zusatzmodul ergänzt weitere Datenpunkte in neun Angaben, zusammen 147. Der Unterschied liegt weniger in der Zahl als in der Art: Das Basismodul fragt Bestandsdaten ab, das Zusatzmodul verlangt Strategie, Ziele und Bewertungen, die es in vielen KMU schlicht noch nicht gibt.
| Kennung | Thema | Typischer Datenaufwand |
|---|---|---|
| B1 bis B2 | Grundlage der Erstellung, Praktiken und Initiativen | Gering, beschreibende Angaben aus dem Jahresabschluss |
| B3 | Energie und Treibhausgasemissionen | Mittel, Stromrechnungen und Verbrauchsdaten, Scope 3 nach Wesentlichkeit |
| B4 bis B7 | Umweltverschmutzung, Biodiversität, Wasser, Kreislauf und Abfall | Mittel bis hoch, oft nur bei Wesentlichkeit zu berichten |
| B8 bis B11 | Belegschaft, Arbeitssicherheit, Vergütung, Korruptionsfälle | Gering, liegt im Regelfall in HR und Controlling vor |
| C1 bis C2 | Geschäftsmodell, Strategie und Transformationspfad | Hoch, verlangt eine Entscheidung der Geschäftsführung, keine Zahl |
| C3 bis C4 | Reduktionsziele und Klimarisiken | Hoch, setzt eine belastbare Basisbilanz voraus |
| C5 bis C9 | Weitere Belegschaftsmerkmale, Menschenrechte, kontroverse Sektoren, Diversität im Leitungsorgan | Mittel, aber mit Abfragen entlang der Lieferkette verbunden |
Der häufigste Irrtum: Basismodul heißt nicht, dass du B1 bis B11 lückenlos befüllen musst. Für einen Teil der Angaben gilt Wesentlichkeit. Wenn dein Unternehmen keine relevante Wasserentnahme hat, keine biodiversitätssensiblen Flächen nutzt und keine Verurteilung wegen Korruption vorliegt, wird das begründet und knapp vermerkt, nicht ersatzweise recherchiert. Übrig bleibt für die meisten Dienstleister und Händler ein Kern aus B1 bis B3 und B8 bis B10, der in wenigen Wochen steht. Genau dieses Entlastungsargument geht unter, wenn ein Bericht als Vollerhebung geplant wird, und es ist der stärkste Grund, mit dem Basismodul zu starten. Eine Übersicht aller Angaben mit Erläuterungen steht in der VSME-Berichtsvorlage.
Fünf Fragen genügen. Jedes Ja spricht für das Zusatzmodul:
Drei oder mehr Ja: Zusatzmodul. Darunter: Basismodul, und den Rest nachziehen, wenn er verlangt wird.
Drei Fehler sehe ich immer wieder. Erstens die vorauseilende Vollerhebung, das Zusatzmodul wird gewählt, weil es gründlicher klingt, und der Bericht bleibt nach acht Monaten unfertig liegen. Zweitens die Modulwahl ohne Rückfrage beim anfragenden Kunden, dabei steht in der Lieferantenabfrage meist eine kurze Liste einzelner Angaben, keine Modulanforderung. Drittens die Datenstruktur, die nur den Bericht bedient: Wer B3 einmalig für ein PDF zusammensucht, statt die Verbrauchsdaten sauber abzulegen, fängt im Folgejahr von vorne an.
Meine Position dazu: Entscheide nach internem Steuerungsnutzen, nicht aus Compliance-Angst. Das Zusatzmodul lohnt sich, wenn du die Zahlen ohnehin für Entscheidungen brauchst. Wenn nicht, ist es teure Dokumentation.
Kosten nennt kaum eine Übersicht zum Standard. Die folgenden Spannen sind Erfahrungswerte aus Beratungsprojekten und schwanken stark mit dem Grad der vorhandenen Datenbasis:
| Basismodul (B1 bis B11) | Zusatzmodul (C1 bis C9) | |
|---|---|---|
| Einmaliger Aufbau | 5.000 bis 15.000 Euro | 20.000 bis 50.000 Euro im ersten Jahr |
| Interne Stunden je Berichtszyklus | 20 bis 60 Stunden | Ein Mehrfaches, verteilt auf mehrere Abteilungen |
| Erster Bericht | 3 bis 6 Monate | 6 bis 12 Monate |
| Umstieg Basis auf Zusatz | 6 bis 12 Monate, bei fragmentierten Daten 12 bis 18 |
Die Zeitfresser beim Umstieg sind nicht die Berichtstexte, sondern die Erweiterung der Erhebung auf Themen wie Biodiversität oder soziale Lieferkette. Der modulare Aufbau erlaubt dabei, einzelne C-Angaben schrittweise zu ergänzen, ohne den Bericht neu aufzusetzen. Ein typischer, konstruierter Fall: Ein Zulieferer mit einigen hundert Mitarbeitenden startet mit dem Basismodul, vier Monate später fragt die Hausbank Reduktionsziele nach. Weil die Verbrauchsdaten aus B3 bereits strukturiert vorlagen, war C3 in sechs Wochen nachgezogen, ohne zweiten Projektaufsatz. Wer stattdessen mit einem einmaligen Dokument startet, zahlt den Aufbau zweimal.
Das Zusatzmodul orientiert sich näher an den ESRS und deckt damit die Themen ab, die berichtspflichtige Konzerne von ihren Lieferanten abfragen. Für die Modulwahl heißt das: Nicht das Modul entscheidet, sondern die konkrete Abfrage. Lass dir vom Kunden die geforderten Angaben nennen und gleiche sie gegen B1 bis B11 ab. In vielen Fällen fehlen nur zwei oder drei C-Angaben, und die lassen sich einzeln ergänzen.
Am Status des Standards hat sich zuletzt einiges bewegt. Die EU-Omnibus-Richtlinie 2026/470 hat die direkte CSRD-Pflicht auf Unternehmen mit über 1.000 Mitarbeitenden und über 450 Mio. Euro Umsatz angehoben, viele Mittelständler fallen damit aus der unmittelbaren Berichtspflicht heraus. Der Druck verschiebt sich dadurch nicht weg, sondern in die Wertschöpfungskette und zu den Banken, für die die EBA-Leitlinie EBA/GL/2025/01 seit Januar 2026 verbindlich ist. Parallel hat die EU-Kommission den VSME als Voluntary Standard in einen delegierten Rechtsakt überführt. Freiwillig bleibt die Berichterstattung, beliebig ist sie nicht mehr: Wer gefragt wird, antwortet künftig in dieser Struktur oder gar nicht.
In meiner Berichtsdatenbank liegen 1.401 ausgewertete europäische Nachhaltigkeitsberichte. Für die Modulwahl ist vor allem ein Befund relevant: In der Teilmenge der 1.401 öffentlichen Berichte der Jahrgänge 2024 und 2025 enthalten 69 Prozent alle drei Scopes vollständig, 13 Prozent liefern trotz eingereichtem Bericht keine extrahierbaren Scope-Daten, und 8 Prozent der Berichte mit Scope-3-Angabe weisen einen Scope-3-Wert kleiner als Scope 1 oder 2 aus, methodisch ein Alarmsignal. Anders gesagt: Wer als Konzern Scope 3 offenlegt, muss die Zahlen bei Lieferanten einsammeln, und dort landet die Abfrage bei dir.
Aus der Entwicklung von VSEasy kommt der zweite Befund: Die Erhebung scheitert fast nie am Verständnis des Standards, sondern an der Datenverfügbarkeit. Verbrauchsdaten liegen bei der Hausverwaltung, Fuhrparkdaten im Leasingvertrag, Lieferantendaten nirgends. Für die Modulwahl bedeutet das, die Frage nicht mit „welches Modul ist gründlicher“ zu beantworten, sondern mit „welche Datenquelle bekomme ich in diesem Jahr wirklich zuverlässig ans Laufen“.
Wie der Einstieg praktisch abläuft, steht im VSME-Bericht in 5 Schritten, fertige Berichte zum Abgleich in den VSME-Praxisbeispielen.
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